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Wenn Gastfreundlichkeit der Überforderung zum Opfer fällt…
In der vergangenen Woche, wenige Tage vor dem Derby, fand ein Meeting der Regierungsstatthalterin des Kantons Freiburg, der Kantonspolizei Fribourg, der KOS, sowie Vertretern beider Clubs statt. Dabei wurden den beiden Vereinen die neuen Bestimmungen für Gästefans aus Bern mitgeteilt.
Im Sommer dieses Jahres wurde bereits der Gästeblock in Fribourg auf lächerliche 200 Plätze reduziert, in einem Stadion mit einer Kapazität von über 9000 Personen. Seit Jahren kämpfen wir gemeinsam mit Fan-Kurven aus der ganzen Schweiz gegen solche Verschlechterungen der Gastfreundschaft und den Trieb des Geldes. Eishockey lebt von der Rivalität, egal ob auf dem Eis in harten Spielen und rauen Zweikämpfen, oder auf den Rängen von Fans, die ihr Team lautstark zum Sieg treiben und in den Stadien unbeschreibliche Atmosphären schaffen. Für dieses Stadionerlebnis braucht es die Fans beider Mannschaften, die ihr Team unterstützen, sich gegenseitig übertrumpfen zu versuchen und auf die kreativsten Wege besser sein möchten als die gegnerischen Fans. Unser Eishockey lebt durch uns Fans und unsere Fankultur in den Stadien.
Jahrelang hatten wir Berner das Privileg von Extrazügen zu den drei naheliegenden Spielen im Streckennetz der BLS. Als diese wegfielen, wählte man weiterhin die Anreise mit dem Zug, so wie auch viele Gästefans nach Bern diesen, ohne nennenswerte Zwischenfälle, nehmen. Innerkantonal, in Biel und Langnau, funktioniert das, aber die Kantonspolizei Fribourg hat sich stets an neuen Konzepten zum Umgang mit den Berner Fans geübt und wirkte mit jeder neuen Idee überforderter. Aufgrund des schlechten Sicherheitskonzepts kam es in der letzten Saison zu einem Vorkommnis unter dem Zwang der Polizei bei der Abreise. Dieses Versagen der Polizei wurde nun gegen uns ausgelegt, um die beschlossenen Massnahmen zu rechtfertigen.
Seitens SCB wurde ein neues Konzept zu dieser Spielzeit entworfen, auf Charterbasis die Extrazüge für Fans zu naheliegenden Spielen anzubieten, so wie es beispielsweise auch Gottéron nach Bern macht und so wie sich das gemäss der aktuellen Stimmung im Land die Politik wünscht. Leider wurde dieser neue Ansatz durch das kurzfristige Abspringen der BLS begraben. Ein Angebot der Freiburger Verkehrsbetriebe, wie es in den Medien geschrieben wurde, hat es nicht gegeben. Dass wir dieses Angebot aus Trotz verweigert hätten, ist eine Falschaussage schlecht informierter Journalisten.
Die neuen amtlichen Vorgaben des Kantons verlangten eine Anreise mit Bussen, für eine knapp 30-minütige Autofahrt, da keine Züge zur Verfügung standen. Berner Fans, egal ob aktiv in der Kurve oder lediglich sportbegeistert, wären genötigt gewesen, zuerst nach Bern zu reisen, dort in den Bus zu steigen und nach einem Spiel unter der Woche, erneut die Reise über die Bundesstadt zu machen. Alle Fans ohne diesen Umweg, zum Beispiel wenn man nach der Arbeit direkt mit dem Auto oder Zug das Spiel besuchen wollte, wären am Stadion abgewiesen worden oder, wie angedroht, von der Polizei gekesselt. Dies entscheidet man nur wenige Tage vor dem Spiel, nachdem die Tickets bereits bestellt waren und nicht alle Fans die Möglichkeit besassen, ihre Anreise für das Spiel umzuplanen. Besonders die Drohungen zur Durchsetzung der Verfügung und die Möglichkeit Stadionverbote gegenüber friedlichen Fans zu verhängen, welche ohne die Busse angereist wären, stösst auf absolutes Unverständnis und verdeutlicht die fehlende Verhältnismässigkeit der Behörden.
In Bern empfangen wir über 800 Fans der gegnerischen Mannschaften, ohne grosse Einschränkungen bei Fan-Utensilien, Vorschriften der Anreise oder nennenswerte Zwischenfälle in den letzten Jahren. Gästefans gehören zu einem Eishockeyspiel dazu wie das Stadion-Bier oder der Torjubel. Seit Jahren setzen wir uns mit den Fan-Kurven der Schweiz, zu denen auch die Fanszene von Fribourg gehört, für eine offene Willkommenskultur für Gästefans ein. Doch immer dann, wenn sich die Politik bei der Durchführung von Eishockeyspielen einmischt, werden jegliche sachlichen Diskussionen und die Suche nach Lösungen nicht zugelassen, selbst wenn die Heimvereine bereit dazu sind. Bereits in drei Kantonen (Waadt, Zug und neu Fribourg) wird eine Konzeptlosigkeit der eigenen Behörden mit Verboten und strengen Auflagen bekämpft. Was bei allen fünf grossen Sportclubs in unserem Kanton seit Jahren funktioniert, scheint dort zu utopisch und unmöglich, man ist mit wenigen Gästefans überfordert.
Diese Entwicklung ist inakzeptabel für unseren Sport und unwürdig für unsere Liga. Aus diesem Grund, und vor allem wegen der Androhung polizeilicher Konsequenzen sowie möglichen Stadionverboten für das Anreisen entgegen der behördlichen Anweisung, blieb der Gästeblock während des ersten Derbys der Saison leer. Wir danken dem SCB für die Rückendeckung bei diesem für uns als aktive Fanszene schwierigen Entscheid in dieser schwierigen Situation. Kurzfristig haben wir als Fanszene entschieden, das Spiel im Eisstadion Allmend zu verfolgen.
Diesen beispiellosen Eingriff in den Spielbetrieb unserer Liga können und werden wir nicht akzeptieren. Wenn kein Dialog stattfinden kann, werden wir auf anderen, gewaltfreien und kreativen Wegen für unsere Werte einstehen. Im Fall vom Dienstag ist dies durch die Ankündigung und eine Vortäuschung der Anreise in die Stadt Fribourg und dem Ausrufen eines Treffpunktes beim Stadion geschehen, was von örtlichen Medien dankenswerterweise gross gemacht wurde. Ein Zeichen, dass so kurzfristige Verbote, ausgelöst durch ungeschicktes und auch planloses Handeln der Behörden und der Polizei, keine Lösung sind und ein Dialog geführt werden muss. Die Kosten für den Polizeieinsatz dürften in keinem Verhältnis stehen zu denjenigen, die durch eine geordnete und durch die Sicherheit begleitete Anreise mit dem Zug, entstanden wären.Jeder Fan muss in einem kleinen Land wie der Schweiz die Möglichkeit haben, die Spiele seines Vereins individuell und frei der Anreisewahl besuchen zu können!
In diesem Sinne, Extra-Schicht statt Extra-Bus.
Szene Bern, Curva Berna, Halunken Bern, Bastards Bern
Bern, 01.10.2026



